„Die Welt ist schön“ oder „Was uns vom Affen unterscheidet“

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Die Welt ist schön. Eine „wonderful world“ möchte man sagen, singen, schreien, was beliebt. WM, Geld verdienen, sich selbst einreden, dass man etwas Besonderes ist. Something special also. So schön im hier und jetzt. Doch draußen zieht ein Sturm auf, während irgendwo irgendwer zur nächsten Flasche Gorbatschow greift, um sich die Sonne herbei zu trinken.  Wenigstens ein bisschen. Lieber ein trauriger Clown als ein einsames Individuum. Prestige heißt der Wunsch. Und der Weg heißt Fassade. Wir sind im Arsch.

Wir leben in einer Gesellschaft, die nach dem nächsten Gerücht aus dem Privatleben vermeintlicher Stars geiert, sich abends mit Schminke eine Deutschland-Fahne ins Gesicht pinselt, immer das haben will, was sie gerade nicht hat, während sie besoffen mit dem triefenden Burger in der Hand in der S3 nach Pasing steht und sich dank Gin-Tonic fühlt, als hätte sie Eier aus Stahl.

Eine Gesellschaft, die am Vormittag wieder vor dem x-sten Modelblog sitzt, nur um sich zu fragen, ob das verdammte Mango-Kleid nicht eigentlich dafür sorgt, dass man noch fetter aussieht als man eh schon ist. Zeit zu hungern. Die in Eritrea können das ja auch.

Ja, eine Gesellschaft, in der es in Beziehungen auch gerne darum geht, wer nun eine Sprosse weiter oben auf der Leiter steht, während sie dem Nachzügler ihre verdreckten Chucks ins Gesicht drückt. Selbstschutz heißt das.

Vor ein paar Tagen hat mir eine gute Freundin ganz ernsthaft gesagt, dass ich doch nicht zum Zyniker werden soll. Es gibt solche Tage. Tage, an denen das Leben erschreckende Parallelen zu einem schlechten Hollywood-Film zeigt, während der Abschaum hinter den Kulissen steht und applaudiert. Vorzugsweise sich selbst.

Wir leben in einer Gesellschaft, die die Dinge einfach abnickt oder der erst dann die Tränen kommen, wenn sie einen Artikel über zwei Menschen liest, die kurz vor seinem 30. Geburtstag im Krankenhaus heiraten. Diagnose: Leberkrebs im Endstadium. Zehn Stunden später ist der Bräutigam tot.

Puh, traurige Geschichte. Im Irak sind kürzlich hunderte Menschen von ein paar irren Arschlöchern massakriert worden… Achso? Guck mal, das ist voll traurig, oder? Das mit der Heirat im Krankenhaus. Natürlich. Wir sehnen uns schließlich nach Romantik. Wenn gleichzeitig noch Trauer dabei ist, dann umso besser. Voll schön und dank Tinder ficken sich Millionen Deutsche das Hirn aus dem Kopf (oder hoffen es).

Andere schleifen sich in Bars, ein paar Mojitos später dann das geile Prachtstück an der Bar. Einfach drauf, um nicht allein zu sein. Tagsdrauf dann das Alleinsein, um sich nicht noch einsamer zu fühlen. Und im Zweifelsfall spielen wir Spielchen, reden uns ein, dass wir uns verliebt haben, oder reden uns aus, dass wir verliebt sind. Unzufriedenheit. Evolution. Der Mensch. Und das alles unterscheidet uns vom Affen. Aber egal. Was geht auf Tinder? Hast du das mit der Krebs-Hochzeit schon gesehen? Bin ich zu fett? Die Welt ist schön.

 

 

 

 

 

 

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