„Freiheit“ oder „Wie Autonomie eine Illusion bleibt“

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Ein junger Mann steht auf einem Felsen. Das Ungetüm ist vier Mal höher als er selbst. Zwischen kaltem Stein und trockenem Gras sucht er nach Halt, nach ein bischen Fläche für die Balance. Er hätte es auch lassen können, wie das kleine Mädchen vor ihm, dass doch nur eine Kerze machen wollte. Sie suchte Halt, fand ihn nicht und kehrte schließlich um, weil es ihr doch zu gefährlich erschien. In der Ferne toben die Kinder im Strandbad, so laut, dass es zwischen den Bergen widerhallt. Er hört sie nicht. Er glaubt, er steht schon zehn Minuten da oben. Es sind 40 Sekunden. Er atmet langsam, findet seinen Halt und springt. Er hat sich entschieden. Lasst uns über Freiheit diskutieren.
Die Freiheit eines Menschen beruht auf seinem Handeln. Sein Handeln auf seinem Willen, sein Willen auf seiner Persönlichkeit und seine Persönlichkeit auf seiner ganz eigenen Geschichte. Wir wollen alle mutig sein, uns dem Leben stellen, entgegen den Normen vielleicht oder entgegen der Verrohung. Zögern aber schon beim Sprung von einem Felsen, weil wir in diesem Moment alleine sind. Keiner spricht uns gut zu oder warnt uns, es doch besser bleiben zu lassen, keiner, der uns schubst.

Unser Leben ist durchsetzt von Dogmen, die uns andere auferlegen. Jenes ist gut, jenes ist schlecht, so macht man die Dinge, so macht man sie nicht. Wir haben uns daran gewöhnt. Trotzdem bilden wir uns ein, wir seien doch eigentlich freie Menschen. Ein freies Land, eine freie Gesellschaft, rennen herum und predigen irgendwas von Autonomie, Unabhängigkeit und grenzenlosem Denken.

Nehmen wir zum Beispiel den Feminismus. Eine Bewegung der Freiheit sagen sie, eine Bewegung für die Selbstständigkeit der Frau, schreiben sie sich auf die Fahnen. Nehmen wir zum Beispiel den Antifaschismus. Eine Bewegung der Freiheit, sagen sie, eine Bewegung gegen die Unterdrückung und für die Gleichberechtigung aller Menschen, ob schwarz oder weiß.

Im Feminismus geht es nicht um die persönliche Freiheit der Frauen, sondern um ein vorgefertigtes als Freiheit definiertes Rollenbild, dass sich andere irgendwann in klugen Leitartikeln ausgedacht haben. Im Feminismus kann eine Frau nicht frei entscheiden, ob sie doch lieber Zuhause bleibt, den Haushalt macht und sich um die Kinder kümmert. Sie kann sich auch nicht frei entscheiden, ob sie sich nackt für den Playboy ablichten lässt, oder sagen, ich fühle mich frei genug, deshalb stelle ich mich sogar gegen die Feminismus-Bewegung, weil ich selbst etwas erreichen will. Ganz ohne Quote, ganz ohne Ressentiments gegenüber einer vermeintlich männerdominierten Gesellschaft. Und wenn sie es doch tut, dann wird sie bekämpft, weil sie für sich selbst entschieden hat. Sie wird bekämpft, weil sie in Wirklichkeit viel freier und unabhängiger ist, als alle Alice Schwartzers dieser Welt zusammen.

Wir können diese Gedankengänge auch gerne am Antifaschismus fortführen. Noch genug Luft? Im Antifaschismus geht es nicht um die Freiheit des Menschen, ganz egal welcher Hautfarbe oder Abstammung. Es geht auch hier einzig und allein um Dogmen. Man bekämpft alles und jeden, das nicht in die eigene gesellschaftliche Schablone passt. Man bekämpft Familienväter, junge Männer und Frauen, die sich dafür entschieden haben, Uniformen zu tragen. Nur deshalb, weil sie zur richtigen Zeit am für sie falschen Ort sind. Man schmeisst mit Steinen, Flaschen, zerstört am 1. Mai Schaufenster und Banken und alles und jeden, den man als Feind der eigenen Doktrin ausmacht. Man überfällt Stände der AfD, weil man den Willen und das Handeln der Parteimitglieder nicht akzeptiert, weil die Persönlichkeit mit ihrer ganz eigenen Geschichte nichts wert ist. Man sieht nur das Parteilogo. Das ist Faschismus.

Feministinnen, Antifaschisten, meinetwegen Hooligans, Neonazis, Politiker, Medienmacher, Meinungsmacher, Beamte: Wahre Freiheit ist eine Illusion und all die Gruppen und Intellektuellen, die Freiheit nur soweit zulassen, wie sie der eigenen Vorstellung von Freiheit entspricht, sind nichts weiter als Marionetten einer verschleierten Diktatur, die nicht als solche benannt wird, weil die Masse sie einfach akzeptiert und nicht mehr hinterfragt.

Ihr wollt frei sein? Dann seid es. Lasst Euch nicht sagen, was ihr zu denken habt. Nicht von Anführern, nicht von Büchern und Manifesten, nicht von Gruppen und ihren selbstauferlegten Dogmen, nicht von Kirchen und Sekten. Ihr wollt frei sein? Dann fangt an zu denken, folgt keinen modernen oder unmodernen Rollenbildern oder Trends, unterwerft Euch nicht der neuesten Mode, all den Ranglisten und diesen verdammten „Fünf gute Gründe für…“-Texten.

Ihr wollt frei sein? Dann beugt Euch nicht irgendwelchen Selbsthilfebüchern in euren Regalen, mit denen die Macher eure Schwächen, Sorgen und Ängste ausnutzen, um davon zu profitieren, weil sie auf die eigene Unfähigkeit nicht klarkommen. Und auch nicht der Meinung irgenwelcher selbsternannter Philosophen und Welterklärer, die sich in Talkshows ihre Ärsche breit sitzen und ihre Frasen dreschen, während Anne Will nickt und Markus Lanz „Oh, interessant“ stammelt. Und schon gar nicht irgendwelchen gesellschaftlich anerkannten Werten und Normen, ohne sie davor zumindest einmal darauf zu prüfen, ob sie nicht eigentlich widersprüchlich oder gar vollkommen idiotisch sind.

Und wenn ihr es doch tut, auch gut. Aber lasst den Rest mit eurem Scheiss in Ruhe.

 

 

 

 

 

 

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