„Blockupy ist zurück“ oder „Der Cake-Pop-Antikapitalismus“

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Nur die Harten kommen in Garten, die anderen kommen mit Steinen. Zu Platt? Na gut. Blockupy ist zurück. Jene Bewegung also, die 2012 und 2013 dachte, man müsse nur eine Zeltstadt vor der EZB in Frankfurt errichten, um den Kapitalismus zu bekämpfen. Bisschen Griebnitz-See-Camping für System-Gegner. Ich freu mich.

In Frankfurt haben sie nun endgültig beschlossen, gekleidet in schwarzen Windjacken made in Taiwan, den friedlichen Protest gegen den Kapitalismus durch Krawalltourismus zu ersetzen. Aus ganz Europa angereist legen sie die Stadt lahm, Sturmhaube statt Camping-Kocher, blinde Parolen statt Argumente, dumme Zerstörungswut statt Hirn. „Kapitalismus tötet“ rief da einer und schmiss einen Pflasterstein. Ein Beamter wurde gestern verletzt. „Die Ausschreitungen machten den Wasserwerfereinsatz erforderlich“, twitterte die Polizei.

Baader-Meinhof wie der Osterhase

Nicht ganz neu: 14 Prozent der Menschen im Westen und sogar 28 Prozent im Osten neigen zu „linksextremistischen Tendenzen“, ermittelte die Freie Universität Berlin vor einigen Wochen. Einige davon halten Gewalt gar für ein probates Mittel im politischen Kampf. Dabei behaupten einige Wissenschaftler linker Couleur sogar, dass es den „Linksextremismus“ überhaupt nicht gibt. Baader-Meinhof wie der Osterhase.

Links bis linksradikal zu sein ist heute also längst so Lifestyle wie Cake-Pops und DIE ZEIT-Lektüre auf der Fahrt von der Warschauer Straße zur Eberswalder, um im Mauerpark auf den Flohmarkt zu gehen. Kapitalismuskritik sowieso, während man an der Universität in Tübingen, linke Hochburg, auf Kosten der Arzt- und Rechtsanwalts-Eltern über die nächste antifaschistische Aktion, die Verstaatlichung der Banken und die Enteignung der Oberschicht debattiert – aus der nicht wenige der linken Krawallkinder stammen. Wirklich revolutionär wäre kritische Selbstreflektion – und sich nicht wie gewalttätige Arschlöcher zu benehmen.

Paul und Matthias Che

Egal, einfach ab nach Frankfurt: Bisschen Moorhuhn-Jagd für gelangweilte Soziologie-Studenten und solche, die sich ihren Krawalltourismus nur leisten können, weil die Eltern Studentenbude und Öko-Ticket finanzieren. Gesellschaftlicher Umbruch funktioniert aber über den Geist, nicht mit der Faust, nicht mit Steinen und Brandsätzen. Man möchte meinen, das hätten Paul und Matthias Che im Grundstudium gelernt. Auch das mit der RAF.

Und eigentlich ist das einzig wirklich Antikapitalistische an Blockupy, dass sie für ihre Pflastersteine nichts bezahlen. Zu recht: Ihre System-Eltern haben die über die Steuer ja längst finanziert.

Bildquelle: Flickr.com / Libertinus unter cc-by-sa (Aufnahme von 2013)

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