„Die Bigotterie der Gleichstellung“ oder „Wie diese Gesellschaft Männer diskriminiert“

3458884720_ca10b04388_o
Zunächst möchte ich mich bei der Welt entschuldigen. Für meine Existenz. Ich bin ein Mann, ein heterosexueller Mann. Ich mag Fußball, Bier, Brüste, Rock-Musik, und habe es in den vergangenen Jahren verstanden, das Tragen von rosa Hemden zu vermeiden. Man kann sich zwar bekanntermaßen nicht aussuchen, in welchem Körper man geboren wurde. Aber trotzdem bereue ich zutiefst und möchte, dass das alle wissen. Das vorweg.

Artikel, die sich mit der Frage „Ist das sexistisch?“ beschäftigen, haben mittlerweile Konjunktur, dazu reicht ein Blick in den Facebook-Feed. Nun bin ich – auch wenn mir das der ein oder andere anhand meiner Anti-Feminismus-Artikel gerne absprechen möchte – ein sehr großer Freund der Gleichberechtigung von Mann und Frau, obwohl ich ein Mann bin. Gleiche Rechte, aber auch gleiche Pflichten, gleiches Gehalt, die selben beruflichen Möglichkeiten, Elternzeit und so weiter.

Chauvi-Arsch außer Dienst

Als Argument, warum es gar nicht sein kann, dass Gleichberechtigung längst gelebte Realität  ist, wird gerne das Durschnittseinkommen im Vergleich herangezogen. Tatsache ist aber auch, dass dazu nicht nur Berufe mit getakteten Gehältern, sondern auch jene miteinander verglichen werden, in denen Gehälter ausgehandelt werden müssen.

Würde ich nun sagen: Frauen können eben schlechter verhandeln als Männer, dann hieße es wohl, Stahlhelm auf und in Deckung. Man bedenke nur den Stress, der vielleicht folgt. Und am Ende, wenn diese eine Aussage für genügend Aufregung in den sozialen Netzwerken gesorgt und auch noch die letzte empörte Gleichstellungsbeauftrage einen Brief an meine Redaktion (die mit diesem Blog gar nichts zu tun hat) verfasst hat, müsste ich vielleicht sogar den Tilo Jung machen.

Würde ich sagen: Männer geben lieber Männern Gehaltserhöhungen oder setzen lieber die Geschlechtsgenossen auf die Chefsessel der Republik, würden mir viele sogenannte Intellektuelle wohl anerkennend auf die Schultern klopfen – und mich endlich als geläuterter Chauvi-Arsch a.D. feiern.

Ist Fensterln sexistisch?

Mitte dieser Woche bin ich online auf einen Artikel des Münchner Merkur gestoßen, wenig später hat sogar die überregionale Frankfurter Allgemeine berichtet: „Ist Fensterln sexistisch?“, so die Überschrift. Die Gleichstellungsbeauftragte der Universität Passau hat durchgesetzt, dass das sogenannte „Fensterln“ der Gleichstellungs-Philosophie der Universität widerspricht.

Studenten wollten die bairische Tradition – bei der die Burschen in Tracht auf einer Leiter zum Fenster ihrer Angebeteten emporsteigen, um so ihr Herz zu erobern – in eine Sport- und Eventveranstaltung integrieren. Falsch gedacht. Das Problem: Die klare Rollenverteilung, weil der Mann klettert und die Frau wartet. Nur wenn Frauen ebenso die Leiter emporsteigen dürften, wäre das mit der Gleichstellungs-Philosophie der Universtität vereinbar, ließ man verlauten.

Info-Vormittag für Frauen

Nun mag der ein oder andere sagen: „Na gut, wenn das eben der Philosophie der Hochschule widerspricht, und Hochschul-Events nur als solche gelten dürfen, wenn Männlein und Weiblein in gleichem Maße und ohne feste Rollen teilhaben können, dann macht es schon Sinn, das Fensterln zu verbieten.“ Und obwohl ich persönlich es als Schande betiteln würde, dass mittlerweile sogar alte (!) Traditionen durch den Gleichstellungs-Filter gepresst werden, würde ich bei diesem Argument sagen: „Gut, so kann man das auch sehen.“ Ich bin Demokrat.

Das Problem: Die Universität Passau hat unter ihren Hochschulveranstaltungen auch einen sogenannten „Infovormittag für Frauen“. Nur für Frauen. Wäre die Gleichstellungsbeauftragte also in Wirklichkeit keine Frauenbeauftragte, müsste man auch diese Veranstaltung verbieten, weil sie der Gleichstellungs-Philosophie der Hochschule – folgt man einzig und allein ihrer Fensterln-Begründung – ganz offensichtlich widerspricht. Aber daran stört sich die Universtität Passau natürlich keineswegs. Anders formuliert: Sind Info-Tage nur für Frauen demnach nicht ebenso sexistisch? Bigott, aber kein Einzelfall.

Frauenparkplätze und nur ein Barber-Shop

An dieser Stelle habe ich bereits über Frauenquote, Frauenparkplätze, Ladies-Nights, Fitness-Studios nur für Frauen und so weiter geschrieben. Und, dass es keine Pendants nur für Männer gibt. Oder doch, eine Ausnahme gibt es sehr wohl: Ein holländischer Barber-Shop, in den nur Männer reindürfen, sich Bart und Haare in Form bringen lassen, dazu ein Bier oder einen Whiskey trinken, samt Gespräche über Fußball, Bier und Brüste.

Einer meiner Kollegen hatte die Geschichte des Barber-Shops vor Monaten schon für den Playboy aufgeschrieben. Vor einigen Wochen hatte nun auch Galileo darüber berichtet. Über Bärte, Bier, Rasiermesser und eine männliche Bastion, die zu ihren letzten gehört. Und die Frage gestellt: „Ist es nicht ungerecht, dass hier keine Frauen reindürfen?“.

Bildquelle: flickr.com / Rich Anderson (unter CC-BY-SA)

 

Advertisements

6 Gedanken zu “„Die Bigotterie der Gleichstellung“ oder „Wie diese Gesellschaft Männer diskriminiert“

  1. Eigentlich ein schöner Artikel, aber ich bin etwas irritiert über diese Aussage hier:

    „ein sehr großer Freund der Gleichstellung von Mann und Frau, obwohl ich ein Mann bin. Gleiche Rechte, aber auch gleiche Pflichten, gleiches Gehalt, die selben beruflichen Möglichkeiten, Elternzeit und so weiter. Ich bin Demokrat.“

    Als analytischer Maskulist bin ich Antifeminist und das verträgt sich prima mit gleichen Rechten, gleichen Pflichten, gleichem Gehalt und gleichen beruflichen Möglichkeiten für die beiden Geschlechter. Analytische Maskulisten sind auch im Gegensatz zu Feministen Humanisten und können, müssen aber deshalb keine Demokraten sein, auch andere politische Organisationen der Volksherrschaft sind damit kompatibel.

    Was aber überhaupt nicht mit Geschlechtergerechtigkeit verträglich ist, ist Gleichstellung, die ich immer so veranschauliche: Während die Gleichberechtigung nur eine Gleichheit der Chance meint, fordert man mit Gleichstellung eine Ergebnisgleichheit. In eine Sportmetapher übersetzt bedeutet daß, daß bei Gleichberechtigung alle Geschlechter z.B. an einem Wettlauf teilnehmen und unter den gleichen Bedingungen an denselben Start gehen dürfen. Gleichstellung verlangt aber, daß die Geschlechter auch zur selben Zeit im Ziel eintreffen.

    Letzteres scheint mir eine ungerechte Forderung zu sein, da die Menschen in ihrem Leben unterschiedliche Prioritäten haben, daher unterschiedliche Entscheidungen treffen und konsequenterweise nicht dieselben Karrierewege aufweisen. Und es gibt keinen Grund, weshalb sich die Unterschiede innerhalb desselben Geschlechtes alles so wegmitteln sollten, daß die Unterschiede zwischen den verschiedenen Geschlechtern verschwinden.

    Stattdessen muß man wissen, daß Gleichstellung im Unterschied zu Gleichberechtigung auf eine radikalfeministische Idee der Machtgleichkeit zurückgeht. In einer Marktwirtschaft bedeutet Geld Macht. Gleiche Macht verlangt u.a. gleiches Geld und das verlangt nicht nur gleiche Machtpositionen, sondern auch gleiche Auszahlungen an die Summe der Männer und Frauen.

    Gleichstellung zu beführworten bedeutet daher implizit immer auch zu behaupten, daß Gesellschaft, Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur allein durch den Begriff der Macht zu analysieren sind und ihr Funktionieren NICHT auf Kooperationen und deren Bedingungen zurückgeht. Analytischer Maskulismus geht immer von Letzterem aus und lehnt Ersteres ab.

      • Wenn es dir nichts ausmacht, dann hole ich etwas weiter aus:

        Man kann nicht abstreiten, daß der Maskulismus bisher nicht mal im Ansatz diejenige Theorie zu bieten hat, auf die der gegenwärtige Genderfeminismus (Feminismus der 3. Welle) zurückgreifen kann und die wenigstens folgende Komponenten hat:

        1. Sozialtheorie als soziologische Konflikttheorie der Geschlechter: das Patriarchat als Frauen mit Hilfe von Geschlechterrollen unterdrückendes Machtsystem, das durch das heterosexuelle Begehren erzeugt wird, der Anspruch, die Gesellschaft zu revolutionieren, die Sichtweise auf alles Männliche als Norm, während die Frauen marginalisiert werden, die Existenz von Privilegien für die soziale Klasse der Männer, der Zweifel, ob von Männern jemals etwas Gutes zu erwarten sei.

        2. Sozialkonstruktivismus: i) Trennung von Sex und Gender, ii) Ablehnung biologischer Einflüsse sowie iii) ein epistemischer Relativismus wie ihn am besten Richard Rorty dargelegt hat

        3. situated knowledge nach Donna Haraway: Die Leitidee dabei ist, daß unterschiedliche Erfahrungen zu unterschiedlichen Perspektiven auf ein Thema führen, was seinerseits Konsequenzen für den Wissenerwerb hat: Auf den Standpunkt des Subjektes kommt es für sein Fähigkeit, Wissen zu haben, auf einmal an. Die Folge ist, daß in einer nach dem sozialen Geschlecht strukturierten Gesellschaft die Erfahrungen von Männern und Frauen unterschiedlich und folglich die Kategorie des Geschlechtes epistemisch relevant sein muß. Erkennen ist damit keine neutrale, transparente Reflexion einer unabhängig existierenden Realität, in der Wahrheit und Falschheit durch transparente Verfahren rationaler Prüfung etabliert werden, sondern nur noc situiertes Erkennen, daß die Perspektive des Erkenntnissubjektes in einem historischen Moment in einem gegebenen materiellen und kulturellen Kontext wiederspiegelt. (K. Lennon, Feminist Epistemology as Local Epistemology, Proceedings od the Aristotelian Society, supplement vol. 71, p.37) Hier wird behauptet, daß die Frage, welche Meinung Wissen ist, irgendwie und zumindest teilweise von der Gesellschaft abhängt, und nicht mehr von den Tatsachen oder einer Art unabhängiger Realität bestimmt wird. Nicht mehr was gesagt wird, zählt, sondern wer etwas sagt.

        4. relationale Autonomie: Menschen sind in intransparente soziale Beziehungen verstrickt, und Unabhängigkeit von Entscheidungen bedeutet keinesfalls mehr – wie noch bei Kant – inhaltsneutral nur von Gründen abhängig zu sein, sondern seine eigene Entscheidung ohne Einfluß von außen finden zu können. Letzteres wird als Ideal als Forderung verstanden, der man nachfolgen muß, um emanzipiert zu sein. (Catriona_Mackenzie, Natalie_Stoljar: Relational_Autonomy)

        5. Intersektionalität: Hier wird die Grundintuition der soziologischen Konflikttheorie fortgeführt und untersucht, wie verschiedene, invariante biologische, soziale und kulturelle Merkmale von Personen wie z.B. gender, sex, Rasse oder Behinderung miteinander interagieren, um Klassenkonflikte generierende, soziale Ungleichheiten zu erzeugen. Intersektionalismus ist eine Folge des Ansatzes der Identitätspolitik, der soziologischen Konflikttheorie für Geschlechter.

        Vergleichbares steht für Maskulisten noch nicht zur Verfügung. Dennoch kann man bereits einiges sagen: Der gegenwärtige Maskulismus war bisher nahezu ausschließlich libertär, links oder sogar anarchistisch.Daß es nunmer eine analytische Variante gibt ist neu:

        A) Wie der linke Maskulismus fühlt sich der analytische Maskulismus den Menschenrechten verpflichtet, aber anders als der linke Maskulismus lehnt er jede soziologische Konflikttheorie als analysierendes Gesellschaftsmodell ab – was zur Folge hat, daß er nicht politisch links sein kann: Denn links zu sein bedeutet, zu postulieren, daß die Menge der Gesellschaftsmitglieder in Interessengruppen fragmentiert, die nicht als Individuen, sondern allein als Gruppenmitglieder um Resourcen, Einfluß- und Handlungsmöglichkeiten konkurrieren. Linke Politk ist eine Politik, die aus moralischen Gründen einen Ausgleich für in diesem Sinne benachteiligten Gruppen anstrebt. Manchmal spricht man auch statt von linker Politik von Identitätspolitik.

        B) Darüberhinaus vertritt analytischer Maskulismus einen säkulären Humanismus und steht der im linken Maskulismus recht verbreiteten postmodernen Grundhaltung äußerst kritisch gegenüber. Analytischer Maskulismus lehnt sowohl einen epistemischen wie auch einen moralischen Relativismus ab, die für die Postmoderne konstitutiv sind.

        C) Zwar lehnt auch der linke Maskulismus die rassistische Sozialtheorie des Radikalfeminismus ab, aber in theoretischer Hinsicht fühlt er sich mit dem Feminismus kompatibel. Analytischer Maskulismus kann das nicht, da er ein libertäres Freiheitskonzept für Personen auszubuchstabieren beansprucht, daß dem linken Maskulismus und dem Feminismus gleichermaßen fremd ist. Daher ist analytischer Maskulismus – im Gegensatz zum linken Maskulismus – immer antifeministisch und lehnt die im linken Maskulismus verbreitete Geschlechtersensibilität ab: Analytischer Maskulismus vertritt die Vision einer postgender-Gesellschaft, in der er selbst nicht mehr nötig ist. Linker Maskulismus ist weltanschaulich an eine soziologische Konflikttheorie gebunden und sieht in der postgender-Version der Gesellschaft wenig Sinn.

        D) Bis zur Realisation einer postgender-Gesellschaft, versucht der analytische Maskulismus auch das theoretische Sprachrohr einer sozialen Männerbewegung zu sein, die die gegenwärtigen Probleme und Interessen der Männer formuliert, begründet und politisch sichtbar zu machen versucht. Ein Ziel einer solchen Männerbewegung besteht darin, einen Gegenentwurf zur rassistischen Sozialtheorie des Radikalfeminismus vorzulegen. Die analytische Komponente des analytischen Maskulismus tritt in seinem Verständnis einer dezidierten Kritik an den metaphysischen Voraussetzungen des Feminismus der 2. und 3. Welle und einem sprachabhängigen Zugangs des Mentalen zur Welt in Erscheinung, ohne in einen sozialen Konstruktivismus zu verfallen. Eine Konsequenz dessen ist, daß analytischer Maskulismus anti-biologistisch ist.

        Am besten dokumentiert ist der linke Maskulismus z.B. in Arne Hoffmann: Plädoyer für eine linke Männerpolitik. Analytischer Maskulismus entsteht gerade erst und folgt in seiner Metaphysikkritik der Idee, das der literarische Feminismus von Simone de Beauvoir als Startpunkt der 2. Welle des Feminismus eine Anwendung von Sartes antirealistischen Existenzialismus auf Geschlechter ist. Das ist insofern wichtig, als bis heute in allen Büchern steht, daß alle wichtigen Grundintuitionen zum Feminismus auf Simone de Beauvoir zurückgehen.

        Ich hoffe, das hat dir erst mal weitergeholfen, du kannst gerne noch mal nachfragen.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s