Bernd und das Leben – eine Kurzgeschichte

Featured Image -- 561

Diese Geschichte erschien erstmals auf mixedmunichart.wordpress.com

Struktur war ihm wichtig. Kaffee schwarz, zwei Zucker, keine Milch. Er mochte es nicht, wenn die Krawatte nicht richtig saß. Vor dem Spiegel stand er nur selten. Wahre Schönheit kommt von innen, dachte er und vergaß die Körperpflege manchmal. Er war Bankangestellter, nicht aus Passion, sondern der Sicherheit geschuldet. Er liebte seine Arbeit, die zumeist darin bestand Kredite zu bewilligen oder abzulehnen. Weiterlesen

Advertisements

„Im Nachtzug nach Dresden“ oder „Mein Besuch bei Pegida“

11160393_815831248510929_1543772921_n
Der Himmel grau in grau über einer Stadt, die seit Monaten immer wieder montags überschattet wird, von Pegida und Protestenten gegen die Bewegung. Es ist acht Uhr morgens, als ich in Dresden übernächtigt aus dem Liegewagen steige. Eine Gruppe Stu­denten sitzt vor dem Bahnhof auf dem Boden, Teekanne in der Hand, „Gegen Nazis“-Patch auf Jacken und Rucksack. Ein Mädchen ist dabei, 1,60 Meter groß, blond gefärbte Haare, ganz hübsch eigentlich. Die „Morgenpost“ titelt: „Dresden im Ausnahmezustand“, dazu ein Live-Ticker. „Bleib doch bitte zu Hause, Mädchen!“, denke ich. Weiterlesen

„Liebe Leser, seid vernünftig!“ oder „Für meine guten Freunde, die Verschwörungstheoretiker“

Cafe_Continental_-_Strassenschlacht_Prag

Liebe Leser, liebe Anhänger der Verschwörungstheorie,

aus Stressgründen ist es in den vergangenen Wochen sehr ruhig geworden um meinen Blog. Das wird sich auch wieder ändern. Bis dahin möchte ich mich aus gegebenem Anlass zu einigen Punkten äußern, die mir sehr am Herzen liegen – und mich ehrlicherweise seit Tagen immer wieder stinksauer machen. Weiterlesen

„Preußische Tugenden“ oder „Meine erste Begegnung mit einem AfD-Politiker“

img_4529

Vom Bahnhof holt der Spitzenkandidat noch persönlich ab. AfD-Politiker Björn Höcke kommt im silbernen Mini-Van, hinten vier Kindersitze, ein Partei-Aufkleber am Heck. In der linken Hochburg Göttingen hat der was von einer Zielscheibe. „Lange kann ich mein Auto hier nicht aus den Augen lassen“, sagt er und lacht. Das Handy klingelt. Mal wieder.  „Der Wahlerfolg in Sachsen war wie ein Dammbruch.“ Meine Begegnung mit dem landespolitischen Spitzenkandidaten einer Partei, die aktuell polarisiert wie keine andere – und kurz darauf mit über zehn Prozent in den Thüringer Landtag einzog. Weiterlesen

„Zehn Tage Berlin“ oder „Im Slalom um die Alkohol-Leichen“

10523836_673138412780214_6874916804076518983_n

Morgens, 9 Uhr, Friedrichshain. Während mir Paul Kalkbrenners „Böxig leise“ den Takt meiner Schritte vorgibt, ist es an der beschmierten Mauer auf der anderen Straßenseite noch ruhig. Vodka und Urin liegen in der Luft. Eau de Kiez. Hier vor dem RAW-Gelände – und gegenüber meiner Butze – postieren sich später noch fünf bis acht Schwarze und verchecken ihr Gras. Wie jeden Abend. Die meisten – möglichst – unauffällig, nur einer lässt eines seiner Tütchen gerne so cool er kann durch die Finger gleiten. „Hey man, Weed?!“, habe ich bestimmt 15 Mal in den vergangenen Tagen gehört. Ich habe mich dran gewöhnt. Seit zehn Tagen bin ich nun in Berlin, noch 70 Tage verbleiben. Ein paar erste Eindrücke. Weiterlesen

„Freiheit“ oder „Wie Autonomie eine Illusion bleibt“

10557066_666883176739071_7932320533985711017_o

Ein junger Mann steht auf einem Felsen. Das Ungetüm ist vier Mal höher als er selbst. Zwischen kaltem Stein und trockenem Gras sucht er nach Halt, nach ein bischen Fläche für die Balance. Er hätte es auch lassen können, wie das kleine Mädchen vor ihm, dass doch nur eine Kerze machen wollte. Sie suchte Halt, fand ihn nicht und kehrte schließlich um, weil es ihr doch zu gefährlich erschien. In der Ferne toben die Kinder im Strandbad, so laut, dass es zwischen den Bergen widerhallt. Er hört sie nicht. Er glaubt, er steht schon zehn Minuten da oben. Es sind 40 Sekunden. Er atmet langsam, findet seinen Halt und springt. Er hat sich entschieden. Lasst uns über Freiheit diskutieren. Weiterlesen

„Sommerregen“ oder „Ich grüble, deshalb bin ich“

10498216_666883060072416_5161702727086465237_o

Viele Stunden saß ich in den vergangenen zwei Wochen Urlaub auf dem Balkon meines besten Freundes, ließ mir bei dem ein oder anderen kühlen Weißbier die Sonne ins Gesicht scheinen oder freute mich wie ein Kleinkind über einen kühlen Sommerregen. Dieser Geruch, wenn die Tropfen auf den erhitzten Großstadt-Asphalt prasseln, was soll ich sagen, ich liebe es. Und immer wieder diskutierten wir eifrig: Müssen wir etwas an unserem Leben ändern?  Weiterlesen

„Die Welt ist schön“ oder „Was uns vom Affen unterscheidet“

1271220_10201883958811544_1443991080_o
Die Welt ist schön. Eine „wonderful world“ möchte man sagen, singen, schreien, was beliebt. WM, Geld verdienen, sich selbst einreden, dass man etwas Besonderes ist. Something special also. So schön im hier und jetzt. Doch draußen zieht ein Sturm auf, während irgendwo irgendwer zur nächsten Flasche Gorbatschow greift, um sich die Sonne herbei zu trinken.  Wenigstens ein bisschen. Lieber ein trauriger Clown als ein einsames Individuum. Prestige heißt der Wunsch. Und der Weg heißt Fassade. Wir sind im Arsch. Weiterlesen