Inhalt

Mit Superlativen sollte man bekanntlich vorsichtig sein. Als Journalist ganz besonders. Es gibt aber ein wirklich großartiges Zitat von Adorno aus dem Jahr 1969, der nach der Einstiegs-Frage des SPIEGEL („Herr Professor, vor zwei Wochen schien die Welt noch in Ordnung…“) nur zwei Wörter brauchte, um Mediengeschichte zu schreiben: „Mir nicht“, sagte der gute Mann. Grandios.

Wenn man Adornos „Mir nicht“ auf die Medien und die breite Öffentlichkeit von heute überträgt, dann passsen diese beiden Wörter besser als jemals zuvor. Eine ganze Gesellschaft giert nach Skandalen, danach, Menschen für ihre freie Meinung oder das Recht auf freie Entfaltung zu geiseln. An die Stelle von sachlichen Debatten ist die Empörung getreten. Und die Opfer werden nicht etwa geschützt, sondern gnadenlos gejagt – auf Twitter, Facebook und in den Schlagzeilen der großen Medien. Von RTL und Co. ganz zu schweigen.

Es gab einmal eine Zeit, in der hatte die Debatte oberste Priorität. Man ließ sich in den Redaktionen nicht dazu verleiten, einfach abzuschreiben, machte sich nicht zum Instrument des Mainstreams, nur um sich selbst nicht in die Schussbahn zu begeben. Denken wir etwa an den berühmten stern-Titel „Wir haben abgetrieben“ oder den FOCUS-Titel über die Griechen, der die Aphrodite mit dem Mittelfinger zeigte. Das Eine nach damaligen Maßstäben skandalös, das Andere provokant bis ins Mark. Auch das muss Journalismus: Draufhauen, wenn die Zeit reif ist. Aber nicht stupide, sondern clever und kreativ. Weniger Skandalisierung, mehr Hirn, lautet die Zauberformel.

Mut ist so ein Begriff. Romantisch, irgendwie faszinierend, aber leider völlig antiquiert. Die Medien trauen sich kaum noch gegen den Strom zu schreiben. Sie haben Angst. Angst vor Shitstorms durch die FB-Community, Angst vor Frauenrechtlern, Gutmenschen, Extremismus-Experten. Angst davor, dass sich die Rollen drehen und sie plötzlich selbst zu Gejagten werden. Also wird verallgemeinert, angepasst, nachgeplappert. Und das nicht etwa bescheiden – was eine gewisse Fähigkeit zur kritischen Selbstreflektion voraussetzt – sondern oftmals so arrogant und herablassend, als hätten sie die Weisheit mit Löffeln gefressen. Keine Sorge: Haben sie nicht.

Doch irgendwer muss ihnen das dann und wann auch vor Augen führen, manchmal sachlich ruhig, manchmal provokant, manchmal laut und wütend. Darum geht es bei „Allein im Medienland“ (früher: „Schlaraffen im Medienland“): Um Kritik an den Kritikern und darum, dass ich als Autor – trotz der Tatsache, dass ich ein Teil dieser Medienlandschaft bin – nachts noch ruhig schlafen kann. Ohne Scheiss, Ich tue das hier auch für mein Seelenheil, also viel Spaß bei der Lektüre.

Ben Krischke

Hinweis: Der Autor lehnt jedwede politische oder religiöse Ideologie kompromisslos ab, ebenso wie jegliche Art von Gewalt oder eine wie auch immer geartete Diffamierung Andersdenkender. Der Autor versteht sich als hunderprozentiger Demokrat und lehnt jegliches Gedankengut ab, das einer Demokratie widerspricht. Vorwürfe, die hier publizierten Texte fußten auf irgendeiner Form vom Ideologie sind lächerlich  und werden – wenn nötig – auch als solche entlarvt. Wer sich zu dem hier Geschriebenen äußert, der willigt ein, dass seine Meinung sowie der angegebene Name unter Umständen publiziert und in weiteren Publikationen thematisiert wird. (Überhaupt: Es ist nur ein Blog!)

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2 Gedanken zu “Inhalt

  1. Guten Tag, Ben!
    Ich danke Dir für den Mut, diesen eigentlich ganz normalen Blog, mit eigentlich ganz normalen Inhalt, in die Landschaft gesetzt zu haben.
    Ich wünsche mir, daß jeder Jounalist, einschließlich jede Redaktion, dieses Vorwort zum Inhalt wöchentlich mindestens einmal liest. Am besten jeden Montagmorgen. Genau das trifft aber leider ebenso auf TV-Medien-Mitarbeiter zu. (Nennen die sich auch Journalisten? Ist aber egal, die wissen schon wer gemeint ist.) Darüberhinaus könnten sie ruhig auch hier lesen, aber ich will ja nicht zu vermessen sein und zu Interessen nötigen. 😉
    Viele Grüße
    einer ganz normalen, deutschen, nachkriegsgeborenen Frau: Gelinda M.

    • Guten Tag, Gelinda,
      vielen Dank für deinen netten Kommentar. Ich bin immer wieder überrascht, wieviele Menschen es außer mir gibt, denen die stetigen Verallgemeinerungen und die konstruierten Empörungen genauso bis zum Hals stehen. Was TV-Medien betrifft kommt es auf das einzelne Programm an. Du kannst aber davon ausgehen, dass hinter den meisten Sendungen auch eine Redaktion steckt in der Journalisten arbeiten. Journalismus ist leider kein geschützter Beruf. Im Prinzip kann sich jeder so nennen, der über irgendwas berichtet. Die gesamte „Unterhaltungs-Industrie“, also das ganze Promi Klatsch und Tratsch-Zeug etwa wird auch von „Journalisten“ produziert.
      Liebe Grüße, Ben

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