„Die Bigotterie der Gleichstellung“ oder „Wie diese Gesellschaft Männer diskriminiert“

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Zunächst möchte ich mich bei der Welt entschuldigen. Für meine Existenz. Ich bin ein Mann, ein heterosexueller Mann. Ich mag Fußball, Bier, Brüste, Rock-Musik, und habe es in den vergangenen Jahren verstanden, das Tragen von rosa Hemden zu vermeiden. Man kann sich zwar bekanntermaßen nicht aussuchen, in welchem Körper man geboren wurde. Aber trotzdem bereue ich zutiefst und möchte, dass das alle wissen. Das vorweg. Weiterlesen

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„Im Nachtzug nach Dresden“ oder „Mein Besuch bei Pegida“

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Der Himmel grau in grau über einer Stadt, die seit Monaten immer wieder montags überschattet wird, von Pegida und Protestenten gegen die Bewegung. Es ist acht Uhr morgens, als ich in Dresden übernächtigt aus dem Liegewagen steige. Eine Gruppe Stu­denten sitzt vor dem Bahnhof auf dem Boden, Teekanne in der Hand, „Gegen Nazis“-Patch auf Jacken und Rucksack. Ein Mädchen ist dabei, 1,60 Meter groß, blond gefärbte Haare, ganz hübsch eigentlich. Die „Morgenpost“ titelt: „Dresden im Ausnahmezustand“, dazu ein Live-Ticker. „Bleib doch bitte zu Hause, Mädchen!“, denke ich. Weiterlesen

„Moral im Sinkflug“ oder „Der Absturz des Journalismus“

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Germanwings. Der Absturz macht uns „betroffen“, sagen die Kollegen in der Tagesschau und schicken einen Reporter zum Betzenberg, der Fußballfans vor dem Spiel fragen soll, ob sie überhaupt in der Lage sind, dieses Spiel nach dem „schrecklichen“ Unglück zu sehen. „Hilft es Ihnen, ihr Leben nach dem Schock normal weiterzuführen?“, „Finden Sie, das Spiel hätte abgesagt werden müssen?“, „Ist das nicht alles furchtbar?“. Die Kollegen vom Morgenmagazin inszenieren sich so, als stünden sie persönlich unter Schock. Wenn das Thema kommt, schwindet das Guten-Morgen-Lächeln, betroffen wird in die Kamera geguckt, die Stimme wird leiser. Alles so schrecklich.
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„Tilo Jungs Weltfrauentag-Fauxpas“ oder „Wie der Feminismus nun sogar unseren Humor angreift“

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Es ist schon eine Gratwanderung. Was darf Mann noch? Wann ist es ein Flirt, wann eine unangemessene Annäherung, wann Sexismus? Und wer zum Teufel bestimmt eigentlich, was Mann noch darf? Vorab: Ich bin kein großer Fan von Tilo Jung, schon sein Format „Jung und naiv“ war mir zu viel Selbstinszenierung, so ein bisschen wie gefilmtes Neon für 18-jährige Germanistik-Studentinnen, die diese kleine Portion Hybris irgendwie süß finden. Wie auch immer. Ich bin kein großer Fan von Tilo Jung, umso mehr überrascht es mich, dass ich mich an dieser Stelle tatsächlich auf seine Seite schlagen muss. Weiterlesen

„Liebe Leser, seid vernünftig!“ oder „Für meine guten Freunde, die Verschwörungstheoretiker“

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Liebe Leser, liebe Anhänger der Verschwörungstheorie,

aus Stressgründen ist es in den vergangenen Wochen sehr ruhig geworden um meinen Blog. Das wird sich auch wieder ändern. Bis dahin möchte ich mich aus gegebenem Anlass zu einigen Punkten äußern, die mir sehr am Herzen liegen – und mich ehrlicherweise seit Tagen immer wieder stinksauer machen. Weiterlesen

„Es gibt keine friedliche Religion“ oder „Ganz persönliche Zeilen zu Charlie Hebdo“

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Ich bin kein Freund von Superlativen im Journalismus. War ich nie. „Ein Video, das zu Tränen rührt“ oder „Der traurigste Tag ihres Lebens“ – geschenkt. Und ich bin kein Freund davon, wenn Medien versuchen – vor allem Online-Medien und die Klatsch-Presse – Emotionen und Gefühle zu diktieren: „grausam“, „brutal“, „unfassbar“, „schockierend“. Ich bin überzeugt davon, dass der Journalismus auch angesichts der vermeintlich größten Tragödie („aller Zeiten“) nüchtern bleiben muss. Und doch gebe ich zu: Was am Mittwoch in der Redaktion von „Charlie Hebdo“ passiert ist, hat mich nicht kalt gelassen, nicht nüchtern, nicht objektiv. Es hat mich wirklich traurig gemacht.  Weiterlesen

„Das Links-Rechts-Gefälle“ oder „Warum ist die Öffentlichkeit auf dem linken Auge blind?“

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Vor wenigen Wochen (aktualisiert) kam es in Hannover zur nächsten großen Demonstration von Hooligans und Rechten unter dem Banner der „Hooligans gegen Salafisten“ (HoGeSa). Im Gegensatz zur ersten großen Demo in Köln zuvor, blieben gewalttätige Zwischenfälle aus. Fast zumindest. Denn Provokationen und Gewalt gegen Demonstranten hat es gegeben, auch Angriffe auf Polizisten: von sogenannten „Linken“, die eigentlich Linksextremisten sind. Groß thematisiert wird dies medial aber nicht. Warum eigentlich? Die Antwort: In Deutschland hat sich in den vergangenen Jahren ein „Links-Rechts-Gefälle“ etabliert. Während Gewalt von Rechts gerne zum nationalen Problem hochgeschrieben wird, scheint Gewalt von Links ein unangenehmer, aber tolerierbarer Nebeneffekt zu sein – solange sie unter dem Deckmantel „Bunt gegen Braun“ eskaliert. Sind die deutschen Medien auf dem linken Auge blind? Weiterlesen

„Deutschland, einig, Idiotenland“ oder „Braunes Hemd, rote Standarte: Auf der Suche nach dem Nazi-Kontext“

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Innerhalb von wenigen Tagen sind gleich zwei vermeintliche Nazi-Assoziationen aufgetaucht, die an Absurdität kaum zu überbieten sind: Ein Moderator des Morgenmagazins wird kritisiert, weil sein Hemd auf dem Bildschirm braun wirkte und die Sparkasse für eine rote Standarte am Brandenburger Tor. Die lasse Erinnerungen an die Standarten im Dritten Reich wach werden, so der Vorwurf. Hauptverantworlich für diese völlig absurden Debatten sind, natürlich, mal wieder die geliebten Kollegen. Wenn es also an Intelligenz mangelt: Ich übernehme gern. Und weil sich die Opfer solcher Schmäh-Kampagnen auch noch bei den Tätern entschuldigen, gibt es ein bisschen Rückgrat gratis dazu.

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„HoGeSa, alles Nazis?“ oder „Die journalistische Sorgfaltspflicht“

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„Hooligan-Randale: Rechtsextrem, betrunken und brandgefährlich“ titelt Spiegel Online, „Rechtsextreme Randale“ schreibt die Online-Ausgabe der FAZ. In Köln haben gestern zwischen 1500 und 4500 Anhänger der Gruppierung „Hooligans gegen Salafismus“ (HoGeSa) demonstriert. Die schwammig benannte Anzahl hat übrigens nichts damit zu tun, dass Polizei und HoGeSa nicht zählen könnten. Die Polizei hält die Zahl der Teilnehmer bei solchen Veranstaltungen prinzipiell kleiner als sie ist, auf der anderen Seite tendieren Veranstalter gerne dazu, die Anzahl künstlich nach oben zu schrauben. Das läuft ein bisschen wie bei der allseits beliebten „Wer hat den Größten“-Herausforderung und soll uns an dieser Stelle nicht weiter tangieren. Viel wichtiger: Sind die HoGeSa wirklich Nazis? Und wie steht es um die journalistische Objektivität? Weiterlesen