„Therapie“ oder „Was soll der Scheiss jetzt?“

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Eines vorab: Ich habe es wirklich versucht. Mit intelligenten Interviews. Mit Objektivität. Mit Seriösität. Kurzum: Mit gut-bürgerlich-journalistischen und trotzdem kontroversen Inhalten. Mit einem Blog über Palästina und den Nahen Osten. Zum einen: Weil ich immerhin für eines der größten Nachrichtenmagazine Deutschlands arbeite. Zum anderen: Weil mich der Nahostkonflitk tatsächlich interessiert. Ich könnte an dieser Stelle schreiben über Ariel Sharon, die Siedlungspolitik, die Hamas oder den Antisemiten Ahmadinedschad. Ich könnte erzählen von der ersten bis zur dritten Initfada oder Absatz für Absatz begründen, warum Theodor Herzl – in meinen Augen – sich den jüdischen Staat ganz anders vorgestellt hat. Will keiner hören. Hat nicht geklappt. Also bin ich hier.

Ich könnte erzählen, warum mich der Nahostkonflikt mehr interessiert, als die monotone deutsche Innenpolitik – und noch viel mehr interessiert, als der pseudo-literarische Quatsch, den die ganzen selbsternannten Philosophen und Welterklärer unserer Zeit in ihren klugen Leitartikeln schreiben. Oder was sie bei Markus Lanz und Co. erzählen. Wie auch immer. Danke für Nichts.

Kurzum: Ich habe es wirklich versucht. Mit intelligenten Interviews. Mit Objektivität. Mit Seriosität. Mit dem, was man weitestgehend als Qualitätsjournalismus bezeichnen würde. Vielleicht. Und ich bin kläglich gescheitert. Mit Langer, die in Israel als Nestbeschmutzerin gilt, weil sie gefangenen Palästinensern dabei hilft, ihre Menschenrechte zu bekommen. Nirumand, der zwei Mal aus seiner Heimat Iran fliehen musste: Vor dem Schah UND vor der islamischen Revolution. Unglaublich faszinierende Menschen, sieben Aufrufe pro Interview, vier davon von Kollegen. Bleiben drei Leser. Drei Leser, die sich für Nahost-Politik interessieren und ihre Zeit nicht dem nächsten Fashion- oder Lifestyle-Blog widmen, ihren Kalendersprüchen auf Sonnenuntergang oder irgendwelchen Kochrezepten. Für den Moment. Immerhin.

Meine Interviews – machen wir uns Nichts vor – sind ersoffen in den unendlichen Blog-Weiten. Vielleicht weil sich die Leute mehr für „10 Wege um endlich glücklich zu sein“, Yoga, Fashion, Beauty oder Panacotta auf Erdbeer-Schlagmichtot-Creme interessieren. Das werfe ich allerdings niemandem vor. Vielleicht muss ich eingestehen: Gut gedacht, schlecht gemacht. Ein großartiger Titel für eine erste Autobiografie.

Oder: Vielleicht war mein Blog einfach nur zu beschissen oder – im schlimmsten Fall – aus Marktforschungssicht nicht relevant. Relevant ist, was geklickt wird. Eine Peaches Geldorf zum Beispiel, der alle Chancen in die Wiege gelegt wurden, und die sich dann vor lauter Selbstmitleid mit Heroin aus dem Leben ballert. There is no business like showbusiness, wusste schon die Mama. Oder ganz aktuell: Conchita Wurst. Frau mit Bart. Singt gern. Geschichte erzählt. Eigentlich.

Vielleicht hätte ich auch einfach einen englischen Title wählen müssen. Vielleicht ganz andere topics, um mit meinen Unique Usern dank einer coolen Corporate Identity zu connecten: Feminismus zum Beispiel oder nackte Frauen. Brüste gehen immer. Oder beides. Oder ich hätte gleich von Anfang an sagen müssen: Ich fange endlich wieder an für mich zu schreiben. Für meinen Seelenfrieden und gegen den Wahnsinn. Ich bin kein Produkt, ich bin keine Klicks, ich bin ein Mensch. Und ein Schreiber, der das Schreiben liebt, für den Schreiben Therapie ist. Endlich wieder in Behandlung.

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