„Prinz Poldi, der Unmoralische“ oder „Weiter so taz: Macht kaputt, was Euch kaputt macht!“

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Es beginnt mit einem Foto oder einer kleinen Agenturmeldung – und wird hochgebauscht zum handfesten Skandal. Auf Kosten Dritter. Schuld ist: blankes Unvermögen. Ist Hysterie doch immer auch die Debatte des kleinen Mannes, die Argumentation des Argumentationslosen, der Hilfeschrei des Hilflosen. Besonders schlimm: Wenn ausgerechnet diejenigen sich dem Populismus bedienen, die sonst andere als Populisten (gerne auch „Rechtspopulisten“) geiseln. Wie hirnlos und traurig das sein kann, hat zuletzt die Gutmenschen-Redaktion der taz eindrucksvoll bewiesen.

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Eigentlich erwarte ich gar nicht so viel von journalistischen Inhalten. Sie sollten gut recherchiert sein, das ja. Sie sollten gut transportiert werden, das auch. Aber vor allem sollte Journalismus reflektiert sein und damit fair. Dann und wann schleicht sich jedoch ein böser Geist in die Köpfe mancher Kollegen ein, der sich „unbegründete Hysterie“ nennt. Sicher, in der Sache kann man immer debattieren und das ist auch gut so. Nur neigen Journalisten gerne auch zur Hybris. Man verbucht für sich die Position des Welterklärers, die Position eines Alleswissers, der auf Kritik nicht mit Argumenten reagiert, sondern sie abnickt, wegwischt, als wäre es ein Fusel auf dem Fair-Trade-Pullover. Nicht im Nachhinein, sonder im Voraus, um Kritikern gleich klar zu machen: Wenn du das nicht genauso siehst, bist du ein schlechter Mensch!

Neulich auf der Onlineseite der taz (das ist die Redaktion, die ihre Redakteure nicht ordentlich bezahlt und darauf auch noch stolz ist, weil ja links): „Poldi und Özil haben nichts Besseres zu tun, als mit bewaffneten Sicherheitskräften strammzustehen.“ Was war passiert? Auf Twitter machte ein Foto die Runde, das die deutschen Nationalspieler Podolski und Özil mit Sicherheitskräften zeigte. Vor ihrem Hotel, in der Sonne.

Normalerweise – zumindest dann, wenn man dem journalistischen Ethos entsprechen will – stellt man sich drei Fragen. Erstens: In welchem Zusammenhang ist ein solches Foto entstanden. Zweitens: Wer ist darauf abgebildet und welche Rolle spielt / spielen die Person / die Personen im Gesamtzusammenhang. Und drittens: Ist es in Ordnung, grenzwertig oder ein No-Go? Im Anschluss wird die Nachricht gebaut. „Die brasilianische Polizei verprügelt Protestierende und was macht Poldi“ lautete diese im Fall der taz. Nicht besonders klug, nicht besonders kreativ, aber es wirkt, denn auch die Antimilitaristen von der taz bedienen sich gerne militaristischem Jargon, wenn es der Sache dient. Ein Satz, eine Message: Wenn du das nicht genauso siehst, bist du ein schlechter Mensch!

Wie gesagt, Debatte ist gut. Allerdings schoss die taz in diesem Fall gleich über so viele Grenzen hinaus, dass ich schon wieder spüren konnte, wie meine Halsschlagader zu pochen beginnt und das kleine Männchen in mir schreit: Räch dich! Gott sei dank war meine Freundin da, die mir ganz ruhig zu verstehen gab: „Nicht aufregen.“ Wahrscheinlich das Glück für den Mercedes SL vor der Haustüre. Ist die Abladung von Hysterie doch so viel einfacher, wenn man Autos anzündet. Das weiß auch die Redaktion der taz und deren illustrer Freundeskreis. (Vorsicht! Populismus!)

Zurück zum Thema: Rund um das Bild, den Teaser, die Headline und die damit transportiere Meinung – und die gleich mehrfache Befremdung meinerseits. Dass die taz Polizisten und Sicherheitskräfte in einen Topf steckt, schön verührt und den Mix nicht als Vermischung, sondern als Label für prügelnde Arschlöcher verkauft, reicht eigentlich schon, um zu resignieren.

Das ist etwa so, als würde ich den Türsteher meiner Lieblingskneipe dafür verantwortlichen machen, dass mir der Möchtegern-Miami-Vice-Bulle am Vortag 200 Euro wegen Ruhestörung reingedrückt hat. Das Feindbild ist klar: Männer und Frauen in Uniform, SicherheitskräftInnen würde die taz schreiben. Das ist Populismus. Und völlig absurd obendrein. Als wären es genau die halbes Dutzend Gesichter auf dem Bild, die tagsüber die Nationalmannschaft schützen und abends dann prügelnd durch die Favelas ziehen. Die taz macht hier einfach keinen Unterschied.

Und als wäre das nicht schon bescheuert genug, generiert die linke Tageszeitung ihren Lesern gleich noch eine Message: Die deutsche Nationalmannschaft macht gemeinsame Sache mit einer menschenverachtenden Politik der korrupten brasilianischen Exekutive. Auch hier gilt: Das ist natürlich völliger Quatsch. Poldi und Özil wurden, wie wohl hundertfach in der letzten Zeit, einfach um ein Foto gebeten – und sie haben ein Foto gemacht. Mit fußballbegeisterten Brasilianern, die zu ihrem und deren Unglück gerade eine Uniform trugen.

Aber vielleicht liege ich auch völlig falsch, vielleicht ist auch dieser Text Populismus. Denn im Endeffekt bleibt die taz ihrer Linie ja nur treu. Und ihrem Feindbild auch: Denn ein Trikot ist ja auch eine Art Uniform. Weiter so taz: Macht kaputt, was Euch kaputt macht!

 

Bildquelle: Screenshot Facebook

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